Globalisierung

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george
Stammgast
#1 erstellt: 26. Dez 2009, 19:40
Sind 80€ für einen Funk-KHV (der schafft es merkwürdigerweise auch bei eine paar hundert Stück) in D gelötet zu teuer? 300€ für einen Rhinelander, 600€ für einen Auditor? Gut, dann auch gleich den Chef um chinesisches Gehalt + Lebenskostenausgleich bitten - dann bleiben einem für das Hifi-Hobby vielleicht 50-100€ im Jahr - wie bei chinesischen Arbeitern - dann wäre die Branche tot!

Mehrere hundert Millionen Chinesen werden mit minderwertigen Fabrikarbeiter-Jobs abgespeist. 40-100€/Monat, 16h am Tag, 6 Tage die Woche, keine Chance auf Weiterbildung, persönliche Entwicklung oder Teilnahme am weltweiten Konsummarkt - moderne Sklaven mit unsichtbaren Ketten! Nicht für ihren Binnenmarkt, sondern für uns! Die Chance auf substanzielle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen haben sie nicht, solange sie im globalen Irrsinn (billig bauen, hier teuer verkaufen) das schwächste Glied und nicht mehr als die billigste Lösung sind.
Das Resultat sind über 100000 (offizielle!) tödliche Arbeitsunfälle jedes Jahr, die Spätfolgen (in der E-Branche weit verbreiteter) nicht absehbar! Absaugvorrichtungen Unfug bei 16h/Tag?
Und hier sollen gut ausgebildete Facharbeiter in den Wettbewerb um niedrigere Standards treten, während sie ihr erarbeitetes Know-How kostenlos verlagern?
Die Arbeit wird nicht einfach nur verlagert, sondern auf niedrigere Standards übersetzt, was in niedrigerer Produktqualität, Effizienz (ja, auch langfristig ökonomisch) und massiver Reichtumsumverteilung (die erhöhte Rendite kommt der deutschen und chinesischen Oberschicht zu gute).

Musste bei mir mal raus
*Heinz*
Ist häufiger hier
#2 erstellt: 26. Dez 2009, 22:54

george schrieb:
40-100€/Monat, 16h am Tag, 6 Tage die Woche, keine Chance auf Weiterbildung, persönliche Entwicklung oder Teilnahme am weltweiten Konsummarkt - moderne Sklaven mit unsichtbaren Ketten!


Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und bin der Meinung, dass es heutzutage den von Dir beschrieben Arbeitern zum Teil schlechter geht als den Sklaven von früher. Man muss nämlich bedenken, dass man früher die Sklaven wenigstens so behandeln musste, dass sie einem lange dienten. Heute gibt es im globalen Wettbewerb unbegrenzten Nachschub an Billigarbeitern und dem Chef kann es doch egal sein, wieviele bei der täglichen Arbeit kaputt gehen, denn draußen steht eine ganze Schlange von Menschen, die sich nur darum reißen auch kaputt gemacht zu werden, damit sie wenigstens ihre Familie ernähren können.
Dann gebe ich doch lieber ein bisschen mehr Geld für deutsche Produkte aus. Außerdem müssen ja die Arbeitslosen, wenn sie durch den Kauf von ausländischen Produkten ihren Job verloren haben, auch finanziert werden. Und wer bezahlt die?
NoXter
Hat sich gelöscht
#3 erstellt: 26. Dez 2009, 23:21
Sklaven gabs natürlich nur begrenzt.
*Heinz*
Ist häufiger hier
#4 erstellt: 26. Dez 2009, 23:30
Musste man die nicht kaufen? Auf jeden Fall standen sie nicht vor der Tür und haben nach der Sklavenarbeit gebettelt.
eddie78
Hat sich gelöscht
#5 erstellt: 27. Dez 2009, 11:22
Was passiert eigentlich mit den chinesischen Sklaven, wenn keiner mehr chinesische Produkte kauft?
Class_B
Hat sich gelöscht
#6 erstellt: 27. Dez 2009, 11:29

eddie78 schrieb:
Was passiert eigentlich mit den chinesischen Sklaven, wenn keiner mehr chinesische Produkte kauft?


Die stehen dann eines Tages vor deiner Tür und klopfen an.
ZeeeM
Inventar
#7 erstellt: 27. Dez 2009, 11:33

eddie78 schrieb:
Was passiert eigentlich mit den chinesischen Sklaven, wenn keiner mehr chinesische Produkte kauft?


So einfach kann man das nicht beantworten.

Die Chinesen werden immer noch produzieren, die Produkte etwas teurer und die Gewinne im Zwischenhandel geringer.
Man darf nicht ausser Augen lassen, das es global von Interesse ist, wenn viele Chinesen sich auch was leisten können.
eddie78
Hat sich gelöscht
#8 erstellt: 27. Dez 2009, 12:00
Sollte ja auch bewußt etwas provokant sein und war eher nicht ernst gemeint.

ABer dass ein Kauf deutscher Produkte die Situation in China verbessert, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. UNd nicht jede Firma, die in China produziert, tut das unter menschenunwürdigen BEdingungen...
ZeeeM
Inventar
#9 erstellt: 27. Dez 2009, 12:08

eddie78 schrieb:
Sollte ja auch bewußt etwas provokant sein und war eher nicht ernst gemeint.

ABer dass ein Kauf deutscher Produkte die Situation in China verbessert, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. UNd nicht jede Firma, die in China produziert, tut das unter menschenunwürdigen BEdingungen... ;)


Sicher nicht.
Es gibt global aber 2 Kernprobleme:
1.) Es werden immer weniger Menschen benötigt um die gleiche Warenmenge zu produzieren.
2.) Das Zinssystem.
*Heinz*
Ist häufiger hier
#10 erstellt: 27. Dez 2009, 12:42
Hallo zusammen

Zu Punkt 1. Ich würde das eigentlich als einen Gewinn ansehen. Menschen müssen weniger arbeiten, um alle lebensnotwendigen Bedürfnisse zu bekommen. Etwas platt ausgedrückt: Wenn die Maschinen unsere "Drecksarbeit" machen, haben wir Menschen mehr Zeit uns weiterzuentwickeln, mehr aus unserem Leben zu machen, mehr Menschen kennen zu lernen und mehr Zeit für die Familie zu haben. Ist nicht die extrem einseitige Verteilung des Kapitals das Problem?

Kannst Du Punkt 2 noch ein bisschen mehr erläutern. Was meinst Du damit?

Gruß
Heinz
shaft8
Inventar
#11 erstellt: 27. Dez 2009, 15:51
Die Ansätze in solchen Threads strotzen zu Beginn meist mit Vernunft.
Aber letztendlich -> Wenn' ums Geld geht, da hört der Spass auf. Mag Ausnahmen geben, aber wer zieht seine Einstellung konsequent durch?
Kurz vor Weihnachten noch schnell mal in den 1 Euro Shop eine Weihnachstmütze gesehen und auf 40 Cent runtergehandelt.
Und was ist mit den Sachen, von denen man gar nicht die Herkunft kennt (Weihnachstmarkt).

Übrigens: Mein Philips TV ist Made in Poland.
eddie78
Hat sich gelöscht
#12 erstellt: 27. Dez 2009, 15:52
Hmm... gibt wohl nur zwei Lösungen:

1. Zurück in die STeinzeit
2. Kommunismus

ODer noch 100 Jahre überbrücken, dann muss gar keiner mehr arbeiten, weil wir alles Maschinen überlassen können.
Folge: Alle verblöden, und 1. tritt wieder ein.

Achja, Kometeneinschlag hatte ich vergessen. Der könnte auch viele Probleme lösen...
j!more
Inventar
#13 erstellt: 27. Dez 2009, 16:09

eddie78 schrieb:
2. Kommunismus


Funktioniert ja auch nicht. Obwohl die Nordkoreaner und die Kubaner es immer noch nicht aufgegeben haben. Allerdings sind das auch zwei Nationen, die nichts nennenswertes exportieren. Ok, Zigarren mit stark schwankender Qualität bei den Kubanern, und die eine oder andere Atombombe aus Nordkorea. Aber nix, was wir für unser Hobby brauchen könnten.


[Beitrag von j!more am 27. Dez 2009, 16:11 bearbeitet]
ZeeeM
Inventar
#14 erstellt: 27. Dez 2009, 16:45

j!more schrieb:

eddie78 schrieb:
2. Kommunismus


Funktioniert ja auch nicht. Obwohl die Nordkoreaner und die Kubaner es immer noch nicht aufgegeben haben. Allerdings sind das auch zwei Nationen, die nichts nennenswertes exportieren. Ok, Zigarren mit stark schwankender Qualität bei den Kubanern, und die eine oder andere Atombombe aus Nordkorea. Aber nix, was wir für unser Hobby brauchen könnten.


Zumal Kuba und Nordkorea keinen Kommunismus haben, sondern Staatsdiktaturen sind. Die DDR und Sovietunion waren auch welche.

Wenn wir 99% aller Gueter mir 1% der Menschheit herstellen koennten, ist kaum zu glauben das 99% der Menschen da was von haben werden. Dann haben wir eine andere Diktatur.
Konzerne werden immer groesser werden und immer mehr an Einfluss gewinnen und Konzerne sind alles andere als demokratisch gefuehrt.
FritzS
Inventar
#15 erstellt: 09. Jan 2010, 14:29

ZeeeM schrieb:

Zumal Kuba und Nordkorea keinen Kommunismus haben, sondern Staatsdiktaturen sind. Die DDR und Sovietunion waren auch welche.

Wenn wir 99% aller Gueter mir 1% der Menschheit herstellen koennten, ist kaum zu glauben das 99% der Menschen da was von haben werden. Dann haben wir eine andere Diktatur.
Konzerne werden immer groesser werden und immer mehr an Einfluss gewinnen und Konzerne sind alles andere als demokratisch gefuehrt.



OT - aber ich muss es mal loswerden - es ist reine Politik ....

a) Das war und ist kein Kommunismus, eher Stalinismus, Maonismus, etc. - Diktatur des Proletariats (als wenn die ArbeitnehmerInnen was davon hätten).

b) Die Konzerne gehören ab einer gewissen Größe zerteilt damit keine weltweite Konzerndiktatur entsteht.

c) Produktionen gehören schön auf die Kontinente und Staaten verteilt, was passiert wenn bei einer großen Naturkatastrophe ein ganzer Erdteil ausfällt?
Z.B. kann der Vulkan im Yellowstone Nationalpark jederzeit hochgehen, was dann passiert, nicht auszudenken, ...., solche schlafende Kat. 8 Vulkane gibt es mehrere weltweit. Auch die Eifel ist da nicht gerade unbenommen.

d) Mehr demokratische Mitbestimmung in den Betrieben durch die ArbeitnehmerInnen.

e) Urheberecht und Patentrecht reformieren, aber nicht in die Richtung wie sich's die Großkonzerne vorstellen. Patenrecht auf die Personen (Erfinder) binden und Laufzeit reduzieren. Laufzeit der Verwertbarkeit des Urheberrechts reduzieren. Beide Rechte bleiben auf die Personen gebunden und können nicht verkauft werden. Trivialpatente ausschalten. Diese Maßnahmen sollen einen Innovationsschub hervorrufen und nicht wie derzeit verhindern. Wenn man eine gute Idee hat soll man nicht einen Tross von Anwälten benötigen um diese umzusetzen. Derzeit sammeln Konzerne und Rechteverwertungsgesellschaften Patente und warten nur darauf jemand zu Schadenersatz verklagen zu können (Geschäftsmodell Geld einsammeln durch Klagen).

Wir bewegen uns mit Riesenschritten in eine neue Gesellschaft des Feudalismus des Geldes (Finanzkonzerne) und des Wissen (Wissenskonzerne, DRM, .....). Manche Unis haben schon Probleme ihr Forschungsergebnisse frei zugänglich veröffentlichen zu dürfen, da »spucken« schon die Wissensverwertungskonzerne drein. Wenn es nach denen ginge würden sie für jeden Furz Geld verlangen - und das bei Unis die wir alle mit öffentlichen Geldern mitfinanzieren.

Es sollte mehr in Richtung »Open Source« in allen Lebensbereichen gehen.


[Beitrag von FritzS am 09. Jan 2010, 14:35 bearbeitet]
*Heinz*
Ist häufiger hier
#16 erstellt: 09. Jan 2010, 16:33

FritzS schrieb:
Manche Unis haben schon Probleme ihr Forschungsergebnisse frei zugänglich veröffentlichen zu dürfen, da »spucken« schon die Wissensverwertungskonzerne drein.


In welchen Bereichen ist das Deiner Meinung nach so?
FritzS
Inventar
#17 erstellt: 09. Jan 2010, 16:51

*Heinz* schrieb:

FritzS schrieb:
Manche Unis haben schon Probleme ihr Forschungsergebnisse frei zugänglich veröffentlichen zu dürfen, da »spucken« schon die Wissensverwertungskonzerne drein.


In welchen Bereichen ist das Deiner Meinung nach so?


Ich habe über diese Problematik schon mehrmals inForen und auch im c't gelesen.
*Heinz*
Ist häufiger hier
#18 erstellt: 09. Jan 2010, 17:03
Ich meinte eigentlich in welchen Fachbereichen ist das der Fall? BWL? Chemie?
ZeeeM
Inventar
#19 erstellt: 09. Jan 2010, 18:06

*Heinz* schrieb:
Ich meinte eigentlich in welchen Fachbereichen ist das der Fall? BWL? Chemie?


Das hängt von dem Geldmitteln ab, die die Industrie in die Unis stecken. Wenn ein Konzern X Geld für ein Projet Y einer Uni gibt, dann erwartet der Konzern, das er als erstes davon profitiert.
*Heinz*
Ist häufiger hier
#20 erstellt: 09. Jan 2010, 18:41
Könntest Du mal bitte ei Beispiel für ein Projekt y geben. Ich kann mir darunter nichts genaues vorstellen.
ZeeeM
Inventar
#21 erstellt: 09. Jan 2010, 18:52

*Heinz* schrieb:
Könntest Du mal bitte ei Beispiel für ein Projekt y geben. Ich kann mir darunter nichts genaues vorstellen.


Findet man bisweilen in der Grundlagenforschung. IBM macht das gerne. Sie finanzieren Teile der Grundlagenforschung an Universitäten.
FritzS
Inventar
#22 erstellt: 10. Jan 2010, 08:30


*Heinz* schrieb:


FritzS schrieb:
Manche Unis haben schon Probleme ihr Forschungsergebnisse frei zugänglich veröffentlichen zu dürfen, da »spucken« schon die Wissensverwertungskonzerne drein.



In welchen Bereichen ist das Deiner Meinung nach so?



Ich habe über diese Problematik schon mehrmals inForen und auch im c't gelesen.



Auch bei ATTAC kann man fündig werden, ich glaube ich hab's auch schon in einen Buch gelesen, ist schon eine Weile her .... einfach nach Informationsgesellschaft oder Wissensgesellschaft suchen

http://www.attac.de/...search.y=0&search=Go

http://www.attac.de/...search.y=0&search=Go

http://www.attac.at/4594

http://www.attac.at/
http://www.attac.de/
http://www.ffii.de/
http://quintessenz.at/


[Beitrag von FritzS am 10. Jan 2010, 08:42 bearbeitet]
j!more
Inventar
#23 erstellt: 06. Feb 2010, 08:38
ZeeeM
Inventar
#24 erstellt: 06. Feb 2010, 09:37

j!more schrieb:
Zur Abrundung: Chinas Forscher streben zur Weltspitze


In absehbarer Zeit wird China DIE Wirtschafts und Militärmacht auf diesem Globus sein.
Die USA wird dabei nicht einfach nur zuschauen.
Ob nun das, oder ob es um Resourcen geht oder sonstwas, der nächste Weltkrieg kommt bestimmt, es ist nur die Frage wann.
Opportunist
Hat sich gelöscht
#25 erstellt: 06. Feb 2010, 13:30

ZeeeM schrieb:


In absehbarer Zeit wird China DIE Wirtschafts und Militärmacht auf diesem Globus sein.
Die USA wird dabei nicht einfach nur zuschauen.
Ob nun das, oder ob es um Resourcen geht oder sonstwas, der nächste Weltkrieg kommt bestimmt, es ist nur die Frage wann.
Oh my god, the end is near .....

Ich zitiere dazu mal aus dem Wikipedia-Eintrag "Gelbe Gefahr"

Wikipedia schrieb:
Dahinter steckt auch eine unterschwellige Anerkennung des Potentials Ostasiens, dem man um die Wende zum 20. Jahrhundert zutraute, die europäisch-nordamerikanische Weltmachtstellung zu brechen.
ZeeeM
Inventar
#26 erstellt: 06. Feb 2010, 14:00

Opportunist schrieb:
Oh my god, the end is near .....


Wer an eine friedliche Zukunft glaubt, ist schlicht und ergeifend naiv.


[Beitrag von ZeeeM am 06. Feb 2010, 14:11 bearbeitet]
Class_B
Hat sich gelöscht
#27 erstellt: 06. Feb 2010, 15:56

ZeeeM schrieb:


Wer an eine friedliche Zukunft glaubt, ist schlicht und ergeifend naiv. :D


Nein,
das ist ein positiv denkender Mensch und nicht so ein Pessimist wie Du
FritzS
Inventar
#28 erstellt: 07. Feb 2010, 07:08

Class_B schrieb:

Nein,
das ist ein positiv denkender Mensch und nicht so ein Pessimist wie Du :Y


ACK - warum soll China einen Krieg anzetteln?
China wird es sich doch nicht mit den Absatzmärkten verscherzen - das einzig Positive der Globalisierung, in irgend einer Form ist Jeder von Jedem abhängig!

Die Chinesen sind im Grunde genommen ein eher friedliches Volk - ich denke in absehbarer Zeit wird dort auch die Diktatur abgelöst werden!
Wilke
Inventar
#29 erstellt: 21. Dez 2010, 14:42
Ich hoffe mit dir, dass die Diktatur abgelöst wird.

Aber die chinesen sind m.E. nicht das Volk, dass massenweise
auf die Barrikaden geht, und gegen die Führer protestiert.
Zumal china ein supertolles Produktionsland ist für die 1te und zweite Welt.
ZeeeM
Inventar
#30 erstellt: 21. Dez 2010, 14:59

Class_B schrieb:

ZeeeM schrieb:


Wer an eine friedliche Zukunft glaubt, ist schlicht und ergeifend naiv. :D


Nein,
das ist ein positiv denkender Mensch und nicht so ein Pessimist wie Du :Y


Eher Realist.
j!more
Inventar
#31 erstellt: 21. Dez 2010, 16:00
Das Tempo dieser Diskussion zieht ja deutlich an!
ZeeeM
Inventar
#32 erstellt: 21. Dez 2010, 16:13

j!more schrieb:
Das Tempo dieser Diskussion zieht ja deutlich an!


Faszinierend, nicht wahr?
denkprekariat
Inventar
#33 erstellt: 21. Dez 2010, 16:44
Wenn mans mal bedenkt sind wir doch eigentlich auf einem guten Weg... mit noch einigen Stolpersteinen, aber abgesehen davon.

Erhöhung unserer Produktion und Produktivität, Senkung des benötigten Personals bei maximalem Resultat. Wenn man das weiter steigert wird bald alles produziert ohne dass wir weiter menschliche Arbeitskraft benötigen. Maschinen bauen Maschinen, die Maschinen entwickeln, die Maschinen bauen, die Maschinen bauen.

Ein Automatismus der Produktion, der Wachstum, Arbeitskraft und jegliche Geldmittel obsolet macht. Eine Arbeitslosenquote von 100% wird der absolute Traum sein, manche Entwicklungsländer hinken mit Quoten um 60, 70 Prozent hinterher - in manchen Gebieten der Welt gibt es noch keine vollautomatischen Diagnostik- und Chirurgieroboter, in den ärmsten Ländern sogar nur teilautomatische Agrarsysteme, wo man noch Leute zum Knöpfchen drücken abstellen muss.

Utopisch?! Wahrscheinlich.
ZeeeM
Inventar
#34 erstellt: 21. Dez 2010, 17:14

Sup_Ermarkt schrieb:
Erhöhung unserer Produktion und Produktivität, Senkung des benötigten Personals bei maximalem Resultat.


Sowas geht nicht auf Dauer.
Wie sagte schon. H. Ford? Autos kaufen keine Autos.
Wo findet man auf der Welt Wachstum und wo Stagnation?
Wachsen tut was, wenn es runtergeschnitten wurde. Wie das vonstatten geht, das steht auf einem anderen Blatt.

Hier rennen die Lämmer selber zum Schlächter und sagen noch sie haben doch ein gutes Leben gehabt.
Ein Orientierung nach Unten wurde vielen Leuten beigebracht - von denen, die sich gerne nach Oben orientieren.
denkprekariat
Inventar
#35 erstellt: 21. Dez 2010, 17:26

Sowas geht nicht auf Dauer.


Vielleicht ist das auch gar nicht notwendig. Autos kaufen keine Autos, das mag stimmen. Die Aussage des Satzes jedoch... sie wird in einigen Jahrzehnten, vielleicht auch Jahrhunderten, überholt sein - möglicherweise. Warum sollten Maschinen nicht ein eigenes ökonomisches System bilden, von dem Menschen profitieren?! Sie produzieren und reproduzieren sich selbst, wenden einenader an und am Ende kommt etwas raus, was dem Mensch zu Nutze dient.

Armut und Reichtum sind relative Begriffe, genau wie klein und groß. Noch sind wir groß, weswegen uns weiteres Wachstum schwer fällt. Aber bald sind wir wieder klein...
george
Stammgast
#36 erstellt: 21. Dez 2010, 18:26
Arbeit ist eine Last, in einem geschlossenem System (das sind wir global betrachtet) führt die Produktivitätssteigerung durch Technologie/ Automatisierung zu mehr Wohlstand (den wir nach Belieben verteilen können) trotz wenier Arbeit.

Nur hat sich die massive Automatisierung nicht wirklich durchgesetzt, trotz der möglichen Produktivitätssteigerung. Denn die Entwicklung ist aufwändig und fordert langfristige Prozesse. Die Automobilindustrie hat es geschafft z.B. >90% automatisiert hergestellte "Gehäuse" (gepresste, verschweisste/verklebte Blechkonstruktionen - beim Auto die Karosserie) zu etablieren. Diese Entwicklung hat vom ersten Industrieroboter bis hin zur vollautomatischen Türmontage/-justage fast 40 Jahre gedauert und Milliarden € verschlungen.

Die Unterhaltungselektronik-Industrie ist schon deutlich primitiver, die meisten Maschinen haben ihren Ursprung in der Automobilindustrie und bis heute werden auch einfacherer Prozesse gerne manuell durchgeführt (sogar die Bestückung von Mainboards ist nur teilautomatisiert!).
Die Textilindustrie verwendet sogar kaum Maschinen, die nicht schon vor 40 Jahren verfügbar waren!

Der Grund liegt darin, dass unsere Wirtschaft nach der Lockerung gewisser Regularien (in der Hoffnung das Wachstum damit zu erhalten), die beim letzen großen Crash 1928/29 eingeführt wurden, wieder stärker dem Diktat und der Logik der Finanzbranche unterliegt: Geld mit Geld verdienen, spekulieren, Shareholder Value... Eine extrem kurzsichtige Welt, der sich auch produzierende Betriebe unterordnen mussten. Darin findet sich kein Platz für aufwändige Forschung und Fortschritte abseits des unmittelbar Notwendigen. "Globalisierung" ist nur die Ausrede für ein Aushebeln von gesetzten Standards, um auch das nächste Quartal Rekordwachstum vorweisen zu können.

China ist nicht der Verursacher, aber dennoch in seiner derzeitigen Wirtschaftspolitik das Produkt dieser Logik, unserer Finanzwirtschaft. China braucht Know-How um die Machtphantasien des Regimes zu verwirklichen, es ist ein gigantischer Bauernstaat - praktisch sämtliche Technologie, auch solche, die nur noch in China in Großserie hergestellt wird, stammt aus entwickelten Industrienationen.
Das ist das wirklich Einzigartige am Aufstieg Chinas in der Weltgeschichte - er erfolgt nicht auf Basis von höheren Standards, denen die anderen Nationen nicht folgen können, sondern niedrigeren Standards!
China ist das Paradies der Finanzwirtschaft: ein Land mit gigantischer Abeiterschaft, mit Standards und Gesetzen, die nach Belieben von einer Diktatur bestimmt werden. Nirgendwo sonst kann man der sperrigen Realwirtschaft, die normalerweise keine fantastischen Wachstumsperspektiven wie die Spekulation erlaubt, so gut Herr werden.

"Made in China" ermöglicht der Masse der chinesischen Bevölkerung kein nachhaltig besseres Leben, uns keine geringeren Preise geschweige höhere Qualität - es dient einzig den Renditeforderungen der Finanzwirtschaft (bis hin zum Rentner, der seinen Fond gedeihen sehen möchte, um der Inflation zu entkommen, die er selbst verursacht)!

Kein Unternehmen, mit einer langfristigen Perspektive von Jahrzehnten, würde freiwillig Technologie in ein Land abführen, in der es keine Rechtsprechung gibt und soviel kopiert wird, wie die Diktatur es gestattet. Die Finanzwirtschaft zwingt sie dazu, in der Hoffnung auf fantastisches Wachstum.

China kontrolliert aber nicht nur seine Währung, sondern entzieht sich zugleich den Regeln eines offenen Marktes - sie können Geld drucken wie sie wollen, Kredite vergeben ohne Zinsen, ohne Rückzahlung, sie überschwemmen den Markt mit ihrer Wertschöpfung und hindern gleichzeitig das massive importieren von Wertschöpfung (ich vermeide das Wort Import/ Export - da es wenig mit der tatsächlichen Wertschöpfung gemein hat).

So sehr sich deutsche Firmen damit brüsten, wie sehr sie doch vom Export nach China abhingen, wird kaum klar, wieviel Wertschöpfung dafür langfristig vernichtet wird, bzw. wieviel chinesische Importe gedulded werden müssen.

Wir können und wir sollten uns nicht mit China messen. Noch nicht einmal die Informationen über diese Diktatur sind verlässtlich. Die DDR war angeblich die achtgrößte Wirtschaftsnation, die Sowjetunion eine hochentwickelte, konkurrenzfähige Weltmacht, bis nach dem Kollaps die Fakten bekannt wurden...

Natürlich ist dieses System zum Scheitern verurteilt. Die Resourcen sind endlich, Wachstum kann es nur im Rahmen externer (z.B. klimatische Veränderung für mehr Ernte) oder technologischer Fortschritte (mehr Effizienz) geben - nicht durch Spekulation - die zwar mehr Geld, aber nicht mehr Wertschöpfung bedingt und damit Inflation erzeugt. Unternehmen an der Leine von Banken, Shareholdern und Managern mit jährlichen Boni sind so kurzsichtig, dass sie den technologischen Fortschritt ebenso wie "weiche" Faktoren (Arbeitsbedingungen, Umwelt, Nachhaltigkeit) einfach ignorieren.

So zerstört sich die globale Wirtschaft selbst, das chinesische Regime generiert sein Wachstum auf dem Rücken anderer und schädigt seine Konsumenten in der westlichen Welt. Die Folge ist auch der Kollaps der dortigen Wirtschaft, bevor eine Nivellierung der Standards erfolgen könnte. Erst wenn der dadurch entstehende Unmut der Bevölkerung das Regime in die Ecke drängt, wird es wirklich gefährlich für den Frieden... Die Reaktion solcher Diktaturen ist zumeist reaktionär, totalitär und absolut schwachsinnig - sie tun es trotzdem und zerstören sich auf diese Weise. Das ist der Nachteil, an den man Denken sollte, wenn man sich mal wieder eine starke Hand der Taten und nicht endlose Kompromisse und Gerede in der Politik wünscht...
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