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Barockmusik mit großem Orchester+A -A |
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Autor |
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cr
Inventar |
#1 erstellt: 12. Nov 2003, 12:54 | |
Gibt es noch wen, der wie ich auch Barockmusik mag, die mit großen Orchestern mit modernen Instrumenten im Breitwandsound aufgeführt wird? Als einige hörenswerte Beispiele möchte ich anführen: Wassermusik (Muti) Händel: Conc. grossi op.6 (Karajan) Bach: Orchestersuiten (Klemperer, Karl Richter) Weihnachtsoratorium (Karl Richter) Bach: diverse Passionen (Jochum, Karl Richter) Feuerwerksmusik (Maazel, frühe 70er Jahre) Messiah (Richter; Solti) und vieles andere mit Karl Richter |
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der_graue
Stammgast |
#2 erstellt: 12. Nov 2003, 13:56 | |
Hallo, ich hoffe, ich darf auch antworten, obwohl ich diese Versionen nicht so sehr mag. Für mich geht bei diesen "Breitwandaufführungen" der intime Ton, der ein Barockensemble erzeugt, verloren. Barocke Musik vermittelt mir oft einen schon fast kammermusikalischen Charakter und ich bevorzuge den dabei entstehenden, Schlanken Character. Mit grossem Orchester kann die Aufführung natürlich ein Versuch sein und im Falle der Wasser- oder Feuerwerksmusik zu pompösen Ergebnissen führen. Heute sind ja auch die Schiffe grösser, so dass das Orchester des Königs zum Spielen Platz finden würde. Heute geht es ja bei der Aufführungspraxis in die entgegengesetzte Richtung : die Ensembles sind klein und es werden Tempi gespielt, dass die Streicher an die physikalischen Grenzen bewegter Massen stossen. Das schiesst meiner Meinung nach genauso über das Ziel hinaus. Ich lasse Dir aber Deinen Vorzug ohne Kritik, da wir ohne solche Experimente musikalisch ja noch in der Steinzeit wären! Gerade Klemperer hat immer eine sehr schöne Orchestergangart intoniert. Hail To The King! Viele Grüsse Stephan |
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cr
Inventar |
#3 erstellt: 12. Nov 2003, 14:07 | |
Es gibt durchaus auch Originalistrumenten-Einspielungen, die was für sich haben. Aber mit einigen seiner frühen Aufnahmen ist zB Harnoncourt weit übers Ziel geschossen. Das ist ja oft nur mehr eine nervös ruckige, abgehackte Parforce-Jagd mit singenden Sägen und quietschenden Holzhörnern (um es überspitzt zu formulieren). Überhaupt genügte es in der Anfangszeit der Originalwelle oft, leidlich auf ein paar alten Instrumenten zu spielen, und schon galt es als originell (damit meine ich nicht Harnoncourt). |
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der_graue
Stammgast |
#4 erstellt: 12. Nov 2003, 14:14 | |
Ich habe die Beethovensinfonien von Harnoncourt und kann diese immer wieder hören. Er liefert meistens sehr gute Versionen der Werke ab. Die Brandenburgische Konzerte von der Akademie für alte Musik Berlin finde ich auch sehr hörenswert. Sehr schlank gespielt, das Cembalo spielt die Rolle, für die es gedacht ist und der Ensembleton ist sehr gut. Da spielen Musiker zusammen, die sich gut kennen. Bei barocker Musik ist dies wohl ein entscheidender Faktor. Aufgrund der wenigen Instrumente werden Probleme bei der Abstimmung zwischen den Musikern sehr schnell offensichtlich. Da haben meiner Meinung nach die richtigen Ensembles, die nur diese Musik spielen, die Nase vorn. Andere Ensembles sind Mitglieder grosser Orchester und können nicht die Zeit aufbringen, die es bräuchte. Viele Grüsse Stephan |
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cr
Inventar |
#5 erstellt: 12. Nov 2003, 14:34 | |
Die Harnoncourtschen Beethoven-Einspielungen und die entschlackten (statt Himbeerguß) Mozartsymphonien (die leider fast alle Aufnahmefehler haben), finde ich auch sehr gut. Die frühen Barockeinspielungen sind mir zu extrem. Auch höre ich lieber eine Frau singen als einen Sängerknaben, das ist schon ein anderes Stimmvolumen (Bach hätte auch lieber Frauen singen lassen, nur wars halt teilweise damals nicht möglich). Genauso sollen sich ja Bach und Händel auch über die Unzulänglichkeiten der damaligen Instrumente geäußert haben. Insoferne ist es ja mal ganz nett, Musik so zu hören, wie sie damals vielleicht geklungen haben mag, nur sehe ich nicht unbedingt ein Ziel darin, die damaligen Unzulänglichkeiten zum Standard zu erheben. |
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embe
Stammgast |
#6 erstellt: 12. Nov 2003, 17:13 | |
Hallo cr, also wenn schon grossochestraler Barock dann Stokowski, Webern, Schönberg oder Mahler Bearbeitungen. Respighi hat einiges arrangiert, Alte Tänze und Weisen oder 3 Chorali. Walton hat ein paar Bachwerke allerliebst angereichert, The Wise Virgins. Strawinski machte Barockbearbeitungen, Pulcinella z.B. Ormandy machte auch Bach orchesterfähig, ein wenig schlichter als Stoki. Elgar modelte Händel um. Richard Strauss mixte die Bürger als Edelmann Suite, nach Couperin, denke ich. Momentan fallen mir keine weiteren Sachen ein, müsste mal in der Sammlung stöbern. Und ich liebe sie alle diese Ungetüme! Aber Karajan mit Vivaldi, Albinoni und so, hmpf...die LPs hab ich aber als CDs werd ich mir das nicht zulegen. Klemperer ist ne Ausnahme. Gruß embe |
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wn
Inventar |
#7 erstellt: 16. Nov 2003, 21:59 | |
Hi cr,
ich habe im laufe der Jahre viele Varianten von Aufführungspraktiken sowohl live als auch von Konserve gehört. Am besten haben mir kleine Besetzungen auf Originalinstrumenten gefallen die für mich immer das stimmigste Gesamtbild ablieferten. Aber, wie gesagt, das ist natürlich Geschmackssache. - Gruss, Wilfried |
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salisburgensis
Ist häufiger hier |
#8 erstellt: 28. Jan 2005, 16:45 | |
Hi, ich halt´s wie embe:
Ansonsten bin ich ein großer Freund der HIP. Und große Orchester gibt es gelegentlich auch bei barocken Stücken, z.B. die Missa salisburgensis von Biber (Gabrieli Consort & Players + Musica Antiqua Köln, McCreesh) oder auch die Feuerwehrmusik mit Le Concert Spirituel, Niquet (sehr gewöhnungsbedürftig). Thomas PS. Hab das Thema nach oben geholt, weil ich das sehr interessant finde und mich Meinungen der aktuellen Aktiven hier im Forum interessieren. |
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cr
Inventar |
#9 erstellt: 28. Jan 2005, 18:47 | |
Im Film "Aviator" kommen einige Stücke vor, die nach Stokowski klingen. |
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antiphysis
Stammgast |
#10 erstellt: 28. Jan 2005, 20:24 | |
Wenn großorchestral, dann tatsächlich in Bearbeitungen, denn das macht wenigstens Sinn. Eher als Katastrophengebiet sehe ich inzwischen Einspielungen, die Barock im spätromantischen Gewand präsentieren. Bei Richters Weihnachtsoratorium-Interpretation musste ich zuletzt das Radio ausschalten, da ich es einfach so furchtbar fand. Mit dem wuchtigen Orchester wäre ich ja noch einigermaßen zurecht gekommen, aber der Chor ist mir mittlerweile einfach unterträglich. Grüße |
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Oolong
Ist häufiger hier |
#11 erstellt: 02. Feb 2005, 13:44 | |
Hallo Antiphysis, ich hab eine ganze Menge von Aufnahmen des Weihnachtsoratoriums, die meisten sind dabei HIP! Und alle haben interessante, klangschöne Aspekte! Ich höre Sie auch gern mal im Laufe des Jahres. Aber wenn es richtig Weihnachten werden soll, greife ich jedes Jahr wieder zu Richters Aufnahme mit Fritz Wunderlich... Gruß Stefan |
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cr
Inventar |
#12 erstellt: 02. Feb 2005, 13:47 | |
Hallo Teetrinker!
Ich auch. |
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antiphysis
Stammgast |
#13 erstellt: 03. Feb 2005, 20:29 | |
Hallo, Fritz Wunderlich wäre für mich ein Argument; allerdings nur die Partien mit ihm. Was für eine Stimme! Der große Rest des Oratoriums wird mir darum jedoch in Richters Version nicht erträglicher. Grüße |
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Tommy_Angel
Inventar |
#14 erstellt: 03. Feb 2005, 21:00 | |
im Barock gab es doch gar keine großen Orchester, also sind wir doch hier sehr weit von dem entfernt, wie es mal geklungen haben mag (ich weis, das weis KEINER). Aber, als Experiment durchaus hörenswert, wers mag... |
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teleton
Inventar |
#15 erstellt: 04. Feb 2005, 11:21 | |
Vivaldi mit Stokowsky Ich habe noch eine alte DECCA-LP mit den Vier Jahreszeiten von Vivaldi mit großem Orchester. Unter Leopold Stokowsky klingt dieses Stück großsinfonisch - mir macht es in dieser Form genauso Spaß, wie in der Original-Instrumentation, auch gerne mit Karajan/BerlinerPH. Auf CD habe ich die DECCA-Fassung mit Karl Münchiger/Stuttgarter Kammerorchester................... Stokowsky ist spannender ! |
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cr
Inventar |
#16 erstellt: 04. Feb 2005, 15:24 | |
Genau, der gegenwärtige Zeitgeist will einem jegliche Breitwandsound-Aufführung vermiesen, sei es unter Karajan, Richter, Jochum, Klemperer Vermutlich sieht man das in ein paar Jahrzehnten wieder entspannter. |
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salisburgensis
Ist häufiger hier |
#17 erstellt: 04. Feb 2005, 15:30 | |
@ cr Tut mir leid, aber ich seh das anders. Ich bin froh, dass Barockmusik nicht mehr oft auf diese Weise gespielt wird. Zumal die Zeiten der eckigen und manchmal leblos wirkenden Aufführungen und Aufnahmen aus der HIP-Anfangszeit vorbei ist. Thomas |
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antiphysis
Stammgast |
#18 erstellt: 04. Feb 2005, 20:37 | |
Diese Aufnahme hatte ich noch als LP angeschafft; eine meiner ersten CDs waren die Jahreszeiten mit Pinnock - quasi ein Erweckungserlebnis. Plötzlich war Barockmusik nicht mehr verschnarcht, sondern richtig aufregend. Ebenso erging es mir mit den Brandenburgischen Konzerten von Bach. Da liegen Welten zwischen einer spätromantischen Interpretation und einer etwa unter Reinhard Goebel, die dann einfach atemberaubend ist. Grüße |
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